Hauszeitung KurT´s

Unser Hausmagazin heißt KurT's!

Der Name erinnert an den Gründer der Seniorenresidenzen in Hennef und in Ruppichterroth: Kurt Brähmer.

KurT’s ist gleichzeitig auch eine Wortschöpfung, die die Namen der beiden Häuser Kurhaus am Park und Haus Tusculum zusammenfasst. Das Magazin KurT’s berichtet aktuell und interessant über das „Leben in 4 Häusern“, also den Alltag im Kurhaus am Park, Haus Tusculum, Wohnen am Kurhaus und über unserer jüngstes Projekt: Wohnen am Markt.

KurT's schreibt außerdem über verschiedene Aspekte des „Wohlfühlens“, bringt regelmäßig kleine Reise-Reportagen und recherchiert „Termine & mehr“. Die Mitarbeit in der KurT's-Redaktion ist ausdrücklich erwünscht. KurT’s erscheint im zweimonatigen Rhythmus & ist kostenlos.

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Topthema Februar / März: Mein Vater ist zu Karneval auf einem Elefanten geritten

Es ist eine Freude, Hannelore Schwickart beim Erinnern über frühere Zeiten zuzuhören!
Sie kann unglaubliche Geschichten erzählen, sie hat viel erlebt, und die Erinnerungen reichen bis weit in den 2. Weltkrieg hinein. Die 90-jährige Seniorin, die heute im Haus Tusculum auf der Wohngruppe Waldblick lebt, kommt dazu noch aus Kölle. Das heißt, der Karneval steckt ihr im Blut. Besonders zu erwähnen ist, dass ihr Vater Peter Linden, zu kölsch „Lindens Pitter”, Mitglied im bekannten Kölner Karnevalsverein Rote Funken war. Noch heute kennt Hannelore Schwickart einige Größen des Karnevals, wie den Krätzchensänger Ludwig Sebus, dem wir viele kölsche Karnevalslieder zu verdanken haben.

Als ich hörte, dass Ihr Vater zu Karneval auf einem Elefanten ritt, bin ich aufmerksam geworden. Solch eine Geschichte kann dem Publikum nicht vorenthalten werden!

Der Krieg hatte Köln in Schutt und Asche gelegt. Diejenigen Funken, die den Krieg und die Wirren überlebt hatten, packten mit an und halfen beim Wiederaufbau. Sie waren auch die ersten, die wieder durch die Ruinen Kölns zur Karnevalszeit zogen. 1948 war ein Jubiläumsjahr für die Rote Funken. Sie feierten ihr 125-jähriges Bestehen. Es gab in diesem Jahr noch keinen offiziellen Karnevalsumzug in Köln, die Leute standen noch in den Trümmern. Dennoch marschierten sie, umjubelt von vielen Menschen, durch die Straßen und hielten im Williamsbau, dem früheren Winterzirkus an der Aachener Straße, eine Sitzung ab. Hannelore Schwickart war selbst mit dabei: Der Prinz, so erinnert sie sich, war ein Mitarbeiter von Maria Farina — dem heutigen 4711. Es waren schlechte Zeiten. Es gab kaum Pferde und auch die motorisierten Fortbewegungsmittel waren überwiegend vernichtet, es war noch gar kein Material da. So liefen auf dem Jubiläumsumzug die meisten zu Fuß, dazu rollte ein Hochrad und stapfte eben dieser Elefant, auf dem Peter Linden durch die Menge reiten durfte! Auch andere Tiere, die in der Menge mitlaufen konnten, hatte der Zirkus Wiliams für diese Gelegenheit ausgeborgt. Ein wunderbarer Anblick — eine Attraktion! Ein gutes Beispiel dafür, wie erfindungsreich die Menschen damals waren oder besser gesagt: sein mussten.

Hannelore Schwickart selber hat einiges aus den früheren Zeiten des Karnevals zu berichten. Als Neunjährige trug sie das Kostüm eines Biedermeiermädchens, woran sie sich immer noch gerne erinnert. Ihr glattes Haar wurde extra mit einem Lockenstab verschönert. Damit hatte sie bei einer Kinderkarnevalssitzung im Stadtwald den ersten Preis beim Kostümwettbewerb gewonnen.

Die Familie wohnte damals auf der Breiten Straße. Hannelore Schwickart erinnert sich daran, wie ihre Mutter oft mit selbstgebackenen Mutzmandeln nach unten gelaufen ist, um bekannten vorbeiziehenden Gesellschaften ein wenig Proviant zuzustecken. Der Vater schmückte die Fenster mit rot-weißen Fahnen. Alle Truppen, die kamen, hielten an, spielten einen Tusch und zogen dann weiter. Man kannte sich eben! Sie selber ließ vom Balkon aus ab und zu ein Körbchen mit Mutzmandeln in die Zuschauermenge herunter. Das machte Spaß! Auch damals gab es schon Kamelle, Pralinen und Blumen. Die Mutter bekam viel geschenkt: „Wir kannten ja alle!” Sie konnte als kleines Mädchen den Botendienst machen und die Schätze nach oben in die Wohnung bringen.

Ihr Vater tanzte zuerst 1936 als Funkemariechen, jedoch noch bei den Altstädtern. Man hätte es gar nicht gesehen, dass er ein Mann war, er hatte eine Perücke mit zwei Zöpfen auf. Sie erinnert sich an ein großes Bild im Flur der Breiten Straße, auf dem ihr Vater als Tanzmariechen abgebildet war. Das Tanzmariechen wurde bis 1936 von einem Mann verkörpert, danach wurde dies in der Hitlerzeit verboten.

1939 kam ihr Vater zu den Rote Funken. Sie erinnert sich, dass er ab dem 11.11. immer nur noch “Op Jöck” war. Sein Spitzname bei den Funken war „Strüssje”, Sträußchen. Daran erinnerte sich sofort Ludwig Sebus, als Hannelore Schwickart nach vielen Jahren kürzlich Kontakt zu ihm aufnahm. Heinz Wüst, der Vater des späteren Präsidenten der Roten Funken, ging bei der Familie ein und aus. Peter Linden wäre gerne einmal Karnevalsprinz geworden, aber dies war nur reichen Leuten vorbehalten. Sie bedauert, dass es aus der Kriegszeit keine Bilder ihres Vaters gibt. Köln wurde ausgebombt, die Familie Linden, da sie mitten in der Stadt wohnte, gleich zwei Mal, so dass alle Dokumente und Fotos verbrannt sind. Aber, und darüber hat sie sich ganz besonders gefreut, es wurde zum 175-jährigen Bestehen der Funken eine Festschrift mit dem schönen Namen „Et hät jefunk” verlegt, in der man viele Abbildungen von Gemälden, Fotos und Bilddokumenten über die gesamte Funkenzeit finden kann. Die mittelalterliche Torburg Ulrepforte, „Ülepooz” genannt, das jetzige Hauptquartier der Funken, wurde nach dem Krieg von der Karnevalsgesellschaft entschuttet und wieder aufgebaut. Für die Inneneinrichtung haben viele Mitglieder Dinge, die sie über den Krieg retten konnten, gestiftet, so auch ihr Vater. Es gibt ein großes Gemälde, das die Roten Funken um 1901 darstellt, welches ihr Vater 1973 zum 150-jährigen Bestehen gestiftet hatte.

Nach dem Krieg fand die Familie Linden in der Komödienstraße eine Wohnung. Dort waren die Fenster am Rosenmontag sehr beliebt, denn von oben konnte man die Karnevalswagen und das bunte Treiben besonders gut beobachten. Ihr Vater hatte dort die Fenster vermietet an die Herren von der Firma Grundig. Sie bekamen eine Suppe, gekocht von Mutter und Oma, und konnten den Rosenmontag genießen. Die Einnahmen wurden an den Karnevalsverein für Wurfmaterial gespendet.

Mit 29 Jahren hat Hannelore Schwickart an der Sektbar bei der Herrensitzung in der Börse ausgeholfen. Dort traf sie Trude Herr und Willy Millowitsch und bekam wunde Finger vom Sektkorken knallen lassen.! .... Mehr oder die ganze Ausgabe lesen ...

Uta Liffmann Haus Tusculum